Vietnam & Kambodscha Mai / Juni 2026

Ich sehe mich einem schwarzen Loch gegenüber, einem tiefen Abgrund, der immer intensiver zurückstarrt. Ganz genau, dem Start ins Berufsleben nach dem Studium. Um das also ein bisschen hinauszuzögern habe ich mich Mitte Mai auf den Weg nach Vietnam gemacht. Obwohl das nicht die Hauptreisesaison ist und so langsam die Regenzeit beginnen sollte, habe ich bisher hauptsächlich gutes Wetter (38 Grad und viel Sonne, selten mal ein Gewitter) und wahrscheinlich etwas weniger andere Touristenund ab und zu Rabatte bei Übernachtungen. Los ging es mit nur einem groben Plan: in den Süden nach Ho-Chi-Minh-Stadt fliegen und dann irgendwie in den Norden nach Hanoi, rechtzeitig für meinen Rückflug fünf Wochen später. Die ersten Nächte habe ich einfach in der Stadt verbracht, wobei das erste (kleine) Abenteuer gleich nach der Ankunft und einer reibungslosen Einreise losging. Statt bequem ein Grab (Südostasiens Uber) vom Flughafen in die Unterkunft zu nehmen, entschied ich mich mit einem normalen Stadtbus zu fahren, was auch problemlos ging, nachdem andere Fahrgäste der Schaffnerin (auch Busse haben hier Schaffner, die einem die Tickets verkaufen) mein Ziel erklären konnten. Außer mir fuhren aber keine Nicht-Vietnamesen mit. Bevor ich in mein Hostel einchecken konnte, schlug ich noch etwas Zeit im Park rum und beobachtete Alt und Jung bei morgendlichen Tai-Chi-Übungen.

Hier ein Überblick über meine bisherige Route. Von HCMC ins Mekong-Delta auf eine Kokosnussfarm bei Ben Tre, dann wieder zurück, aber direkt weiter nach Phu Quoc, der südlichsten Insel Vietnams (und einer der wenigen Orte Vietnams, von dem man einen Sonnenuntergang über dem offenen Meer beobachten kann). Dann direkt über die Grenze nach Kambodscha und weiter nach Phnom Penh und Siem Reap. Wieder zurück über einen anderen Grenzposten und nach einer Nacht in HCMC weiter ins südliche Zentralhochland nach Buon Ma Thuot, dem Haupt-Kaffeeanbaugebiet Vietnams. Bisher bin ich all das mit dem Bus gefahren und musste auch nochmal mit einem Minibus nach Nha Trang, um dort aber nach drei Stunden Wartezeit in den Nachtzug nach Da Nang umzusteigen und die nächsten Tage in der Mitte Vietnams zu verbringen, hauptsächlich in Hoi An und Hue.

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HCMC ist eine pulsierende, junge Stadt, der man ihre Größe im Stadtkern gar nicht anmerkt. Es gibt viel zu entdecken, von alten buddhistischen Pagoden über Überbleibsel aus Kolonialzeit und Unabhängigkeits- bzw. Wiedervereinigungskriegen bis hin zu modernem Design und Modeläden. Man spürt eine gewisse Hustle-Culture, jeder will einem was verkaufen, aber meist reicht freundliches Lächeln und Kopfschütteln aus. Die Essens- und die Café-Kultur haben mich schon am ersten Tag restlos begeistert, und auch wenn das auch für den Rest des Landes gilt, so ist die Vielfalt des Angebots in HCMC nochmal größer als in anderen Städten.

Nach so einer hektischen Stadt (der Verkehr ist der Wahnsinn – hier hält niemand für einen an, und wer hupt, hat Vorfahrt), war es Zeit für ein Kontrastprogramm. Nach ein paar Schwierigkeiten, den richtigen Bus zu finden, ging es nach Ben Tre, von wo ich noch mit dem Motorrad weiter zu meiner Unterkunft fahren musste. Die nächsten Nächte verbrachte ich also auf einer Kokosnussfarm, von der aus ich mit dem Fahrrad das Umland mit seinen schmalen Pfaden zwischen den Kanälen und Fähren über die Mekong-Arme erkundete. Vor meiner Abfahrt wurde ich noch kurz auf einem Ruderboot mitgenommen und konnte Wasserkokosnuss probieren. Vor 40 Jahren war Rudern noch die Hauptart, sich im Delta fortzubewegen, meinte mein Gastgeber.

Das reichte mir aber noch nicht als Erholung und so war mein nächstes Ziel Phu Quoc, die südlichste Insel Vietnams, bekannt u.a. auch für den Pfefferanbau. Von Ben Tre musste ich allerdings ersteinmal wieder nach HCMC und dann am dortigen Busbahnhof den richtigen Bus finden - einfacher gesagt als getan. Durch die Nacht ging es dann nach Ha Tien, direkt an der kambodschanischen Grenze, von wo es nocheinmal etwa eine Stunde mit der Fähre auf die Insel dauerte. Die Tage auf der Insel verbrachte ich abwechselnd im Landesinneren, wo ich einen der vielen “Berge” erklomm, und am Strand, am quasi einzigsten Ort Vietnams an dem man einen Sonnenuntergang über offenem Meer beobachten kann.

Von Phu Quoc ging es morgens direkt per Fähre wieder nach Ha Tien, wo ein Fahrer mich und ein paar andere Rucksackreisende direkt erwartete und uns in zehn Minuten an die Grenze zu Kambodscha brachte. Die Grenze bzw. die paar hundert Meter zwischen den Grenzposten mussten wir zu Fuß überqueren. Während die Ausreise aus Vietnam schnell und problemlos verlief, kostete die Einreise nach Kambodscha 37$, welche aber immerhin mit einem schönen Aufkleber im Pass entlohnt wurden. Die letzte Überprüfung des Visas und die Abnahme von Fingerabdrücken zog sich dann etwas in die Länge, da der Grenzbeamte sich seine wohlverdiente Mittagspause nicht von ein paar Backpackerinnen verkürzen lassen wollte. Direkt hinter der Grenze wartete dann schon der nächste Fahrer, der uns im Kleinbus nach Phnom Penh brachte. Den ersten Abend nutzte ich, um entlang des Tonle Sap und des Mekong (welche in Phnom Penh zusammenfließen) zu spazieren und nach etwas zu Essen zu suchen. Am nächsten Tag besuchte ich zuerst den Königspalast (welcher zum Teil zugänglich und zum anderen Teil immer noch vom König bewohnt wird), und dann ein ehemaliges Geheimgefängnis der Roten Khmer, deren Schreckensherrschaft man noch immer im Alltag spürt, da auffallend wenige alte Menschen zu sehen sind.

Ehrlich gesagt gefiel mir Phnom Penh (und Kambodscha) allerdings nicht so gut wie Vietnam – die Menschen schienen mir auf eine unangenehme Art aufdringlicher zu sein, und auch die Essenssituation fand ich nicht so überzeugend wie in Vietnam. Nichtsdestotrotz machte ich mich auf den Weg, um einmal quer durch Kambodscha nach Siem Reap zu fahren und von dort die Tempelanlagen um Angkor zu besichtigen. Es handelt sich dabei um eine Vielzahl (mehr als 1000) hinduistischer und buddhistischer Tempelanlagen, welche von den Khmer zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert errichtet wurden. Um diese Tempel erstreckte sich damals die größte Stadt der Welt. Fünf der Tempel konnte ich im Rahmen einer Tour besuchen, darunter das berühmte Angkor Wat, aber auch Bayon (bekannt für seine lächelnden Buddhas) und Ta Prohm (bekannt durch Angelina Jolie, die dort als Lara Croft nach verlorenen Schätzen suchte).

Von Siem Reap ging es dann durch die Nacht wieder zurück nach HCMC, wo ich nochmal eine Nacht im Hostel verbrachte. Aber am nächsten Tag machte ich mich mit dem Bus auf den Weg nach Buon Ma Thuot, der Kaffeehauptstadt Vietnams. In den Hügeln des südlichen Zentralvietnams gelegen, spielt der Kaffeeanbau hier eine große Rolle und so verbrachte ich die meiste Zeit damit, von einem Cafe ins nächste zu pilgern. Wobei ich einen Vormittag für den Yok Don Nationalpark, den zweitgrößten Vietnams, und seine Elefanten reserviert hatte. Neben den wilden Elefanten, die tief im Nationalpark leben, gibt es noch einige, die aus quälerischen Verhältnissen freigekauft wurden und im vorderen Teil des Parks die Zeit mit Essen, Trinken und Schlafen verbringen. Diese Elefanten kann man besuchen und ihnen dabei zuschauen, wie sie langsam durch die Gegend trotten, sie sind an Menschen gewöhnt. Spannend war auch die Rückreise vom Nationalpark in die Stadt, da der Bus einfach vorbeifuhr, saß ich auf einmal mit 6 Mitfahrenden in einem Auto für 5 Personen, aber nach 20 Minuten wurde ich sicher vor meiner Unterkunft abgesetzt. Danach ging es mit dem Kleinbus nach Nha Trang weiter, einer Küstenstadt, in der ich in den Nachtzug nach Da Nang umstieg.




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